Das Buch der heilsamen Lieder

Medizin in Notenform- Das Buch der heilsamen Lieder
Buch von K. Neubronner / W. Bossinger - gelesen von Birgit Kratz 4.3.2010 http://www.spirituelles-portal.de/text.php?&rzNr=234&zurueck=/rezensionen.php

Der große Profimusiker bin ich ja nun nicht. Mit etwas gutem Willen kann ich einfache Melodien aus den Noten entschlüsseln und kriege raus, wie die Akkorde auf dem Harmonium zu greifen sind. Damit ich mich dazu überwinde, müssen mich Lieder schon interessieren - sonst mach ich mir die Mühe nicht.
Aber von diesem Buch kann ich mich nur schwer lösen. Ich blättere kreuz und quer und probiere ein Lied nach dem anderen aus. Kann gar nicht aufhören. Stunden vergehen. Zwischendurch - beim Singen - fängt mein Herz plötzlich heftig zu schlagen an und Rührung verschlägt mir die Stimme. Hier sind doch tatsächlich Momente, die ich tiefe Erfahrung bezeichenen würde, in einfache Lieder mit schönen Melodien gefasst...
Ja, da ist wieder das Phänomen, das mir im Gesangsunterricht so oft die Stimme geraubt hat. Ich singe - und plötzlich passiert in mir etwas, was ich nicht verstehe: Manchmal ist da zuerst ein enormes Glücksgefühl, das im nächsten Moment in Traurigkeit und Schmerz umschlägt. Dann fließen erstmal die Tränen und an Singen ist wirklich nicht mehr zu denken. Da schon in meiner Kindheit diese starken Reaktionen auftraten, mochte ich das Singen überhaupt nicht. Was soll daran Spaß machen, wenn ich immer mit so vielen emotionalen Turbulenzen konfrontiert werde? Oft weiß ich gar nicht, wie mir geschieht und bin irritiert (und mein Umfeld dann auch). Es hat lange gedauert, bis ich dahinter kam, dass das Singen Heilprozesse(!) in mir auslöst.
Als ich Wolfgang Bossingers Buch >> Die heilende Kraft des Singens gelesen habe, bestätigte das meine Vermutung. Für mich ist Singen also Therapie. Seit mir das klar geworden ist, geht es leichter und ich lerne, das Singen auch mit den intensiven Auf's und Ab's zu genießen - denn eins weiß ich mittlerweile aus meiner Erfahrung: Wenn ich durch mein dunkles Tal durchbin, geht's mir besser als vorher. Für mich ist Singen tatsächlich wirkungsvolle Medizin.
Und nun habe ich hier mein Medizinbuch. Wie ich darin blättere, merke ich, dass ich ganz viele der Komponisten ja schon kenne - von CD's, die ich mit Begeisterung rezensiert habe. So manches Mal hatte ich mir gewünscht, doch die Noten und Akkorde zu diesen berührenden Liedern von Dinah Arosa Marker, Brigitte Schmitz, Margit Berg, Anke Zohm, Iria Schärer, Amei Helm, Wolfgang Friedrich und Wolfgang Bossinger... (sorry, wenn ich jemanden vergessen habe!) zu besitzen. Ich wollte die Lieder, mit denen ich so tief im Herzen resoniere, gerne selber singen und auf meinem Harmonium begleiten. Nun kann ich's.
Nicht nur das - ich lerne über ihre Songs eine ganze Menge Liedermacher kennen, von denen ich noch nicht gehört habe: Eine neue Melodie ausprobieren, nun noch die Akkorde, dann den Text singen - wow! Schon wieder ein Lied entdeckt, das mir aus der Seele spricht. Erstaunlich. Woher wissen die, was ich fühle?
Da zu allen Liedermachern die Web-Seiten vermerkt sind, steht einer Vernetzung von Sängern und Musikern überhaupt nichts mehr im Wege. Auch kann man dank Internet leicht mal in Hörproben von CD's reinlauschen und "neues Klangland" entdecken - vielleicht macht es ja mehr Spaß, sich auch noch eine CD von einem/r interessant erscheinenden LiedermacherIn zu kaufen, damit man in der Küche beim Abwasch auch ohne das Liederbuch direkt mitsingen kann.
Dieses geniale Liederbuch mit praktischer Ringbindung ist richtig gut sortiert, oft mit Tanzanleitung (damit der ganze Körper was vom Singen hat) und mit inspirierenden kurzen Texten zum Innehalten versehen.
Dank der wirklich gut durchdachten Struktur des Buches kann man seine Medizin also ganz intuitiv finden. Für den Fall dass man das Bedürfnis hat...
- sich besser in der Erde zu verwurzeln,
- harmonischer mit dem Leben zu fließen,
- in Krisen-Zeiten "Ja!" zum Leben zu sagen,
- Heilung zuzulassen
- Frieden zu schließen, wenn man mit jemandem oder etwas überhaupt nicht klarkommt,
- sich endlich mal wieder vom Leben getragen zu fühlen
- das Herz zu öffnen
- endlich wieder Licht zu sehen
- Verbundenheit wieder zu fühlen
- loslassen zu können, damit man frei ist, weiterzugehen...

... sind ausreichend Arzneien mit unterschiedlicher Klangfarbe im Angebot.

...und eine erste CD zum Buch gibt es ebenfalls schon: >>Heilsame Lieder 1

Ausgesprochenes Anliegen und Herzenswunsch der Herausgeber dieses Buches ist es, das Singen als Medizin in Krankenhäusern einzusetzen, um Heilprozesse bei den Patienten unterstützen zu können und mehr Freude und Licht in eine Zeit zu bringen, die für Kranke oft von Sorgen und Schmerzen geprägt ist. Mehr Informationen zu diesem Projekt, das Wolfgang Bossinger in's Leben gerufen hat, gibt es übrigens auf der Web-Seite www.singende-krankenhaeuser.de.

Sehr gut vorstellen kann ich mir, dass "Das Buch der heilsamen Lieder" innerhalb kurzer Zeit in Singgruppen zur Standard-Ausstattung gehört (einfach, weil es so gut ist) und möglicherweise (hoffentlich!) auch in Kliniken oder bei Therapeuten, die ganzheitlich arbeiten und selber gerne singen - warum nicht gemeinsam mit den Klienten?

Der Traumzeit-Verlag, in dem das Buch soeben erschienen ist, nennt sich auch "Verlag der neuen Klangkultur" - und wie ich darüber nachsinne, wird mir bewusst, dass das Buch hier ja tatsächlich ein Repräsentant der neuen deutschen Sing- und Klangkultur ist. Das ist für mich schon was ganz Großes. Ich muss mich erstmal ganz vorsichtig an die Wortkombination "deutsche Klangkultur" gewöhnen.

P.S. :
Es ist sogar ein kleines Lied von mir in dem Buch - Seite 42 unten.
Es kam zu mir, um mich zu trösten, als ich mal wieder total an mir selber zweifelte, weil das bei mir so seltsam ist mit dem Singen. Es heißt:

Sei einfach so, wie Du bist. ;o)

Man kann auch folgende Strophen ausprobieren und schauen, welche Wirkung sie innerlich beim Singen oder beim Sprechen hervorrufen:

Ich darf so sein, wie ich bin.
Ich soll so sein, wie ich bin.
Ich will so sein, wie ich bin.
Ich muss so sein, wie ich bin...

...oder ganz andere ausdenken..


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