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Chancen der Corona-Krise-Wolfgang Bossin
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Außerdem hier noch der Link zu einem weiteren sehr kompetenten Beitrag des Philosophen, Mathematikers und Umweltaktivisten Charles Eisenstein in englischer Sprache: "The Coronation"

https://charleseisenstein.org/essays/the-coronation/


Chancen der Corona-Krise


von Wolfgang Bossinger 24.3.2020 – www.healingsongs.de

 

Auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, in der gegenwärtigen Corona-Pandemie Chancen für die weitere Entwicklung und die Zukunft der Menschen zu sehen. 

Bereits jetzt hat die Ausbreitung des Virus zu sehr viel Leid, Schmerz und zahlreichen Toten (wie z. B. in Italien) geführt. Darüber hinaus bedeutet diese Krise auch wirtschaftlich für viele Menschen eine existentielle Notsituation und die gesamte Weltwirtschaft gerät ins Wanken.

Dennoch möchte ich Euch hier zu einigen meiner Gedanken einladen, die sich damit beschäftigen, welche möglichen gesellschaftlichen, ökologischen und ethischen Chancen sich aus der gegenwärtigen Krise ergeben könnten.

Es hängt allerdings entscheidend davon ab, wie wir alle mit der Situation umgehen werden. 

Stärkung von Solidarität, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit

Es ist beeindruckend zu sehen, wie in Deutschland, Italien und weltweit anstelle von Profitgier, Konkurrenz und Egoismus auf einmal Werte wie Solidarität und Mitgefühl für unsere älteren und chronisch-kranken Mitmenschen in den Mittelpunkt rücken. Es zeigt sich, wie wichtig das Gesundheitssystem, Krankenhäuser, Praxen und Forschungsinstitute sind und dass es falsch war, das Gesundheitssystem zunehmend zu ökonomisieren und kaputtzusparen. Die Krankenschwestern und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte und alle anderen Tätigen im Gesundheitswesen retten jetzt mit großem Engagement Leben und erhalten das Funktionieren unserer Gesellschaft aufrecht. Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Dienste, wie Polizei, Feuerwehr, Müllabfuhr, Landwirtschaft, Gärtnereien, aber auch Reinigungspersonal, KassiererInnen und Mitarbeiter in Supermärkten, MarkthändlerInnen und viele freiwillige HelferInnen und natürlich auch die Politiker und Tätige in öffentlichen Ämtern. 

Ebenfalls trägt jeder einzelne Bürger durch sein rücksichtsvolles Verhalten und das Beachten der Vorsichtsmaßnahmen dazu bei, dass Gefahren durch die Ansteckung und die Überlastung des Gesundheitswesens vermieden werden. Deutlich sichtbar wird jetzt, dass Kooperation zu einer menschlicheren Gesellschaft führt als Egoismus.

Gemeinwohl statt Profit

Ebenfalls wird deutlich, dass das Gemeinwohl viel stärker in den Mittelpunkt gerückt werden sollte. Anstelle von kapitalistischer Gewinnmaximierung und von Profitdenken, sollten Politiker und Unternehmer viel stärker um das Gemeinwohl und um Nachhaltigkeit bemüht sein. Wir brauchen eine neue gemeinwohlorientierte Wirtschaft und Gesellschaften, in denen Kooperation und Miteinander, Win-Win für alle im Mittelpunkt stehen, anstelle von Wenigen, die sich auf Kosten vieler bereichern.

Quarantäne, Ausgangsperre, Kontaktverbot versus Retreat und Entschleunigung:

Der gesellschaftliche Shutdown führt zu einem starken sozialen Rückzug als Sicherheitsmaßnahme vor Ansteckungen. Wir werden also auf uns selbst zurückgeworfen. Plötzlich verringert sich zunehmend die hektische Betriebsamkeit, das ständige Unterwegs sein, der berufliche Stress, die Partykultur und die ganze Ablenkung. 

Statt diese Situation nur als negativ zu bewerten, könnten wir auch eine andere Perspektive einnehmen. Unser Leben entschleunigt sich und wir können uns endlich wieder Zeit für uns selbst nehmen. Was hat aber Quarantäne mit Retreat zu tun?

In vielen spirituellen Traditionen der Menschheit nennt man eine solche Zeit Retreat oder innere Einkehr. Das traditionelle Klausur bei den Sufis (mystische Strömung im Islam) wie auch die Fastenzeit im Christentum als Zeit der Einkehr und des Betens dauern jeweils 40 Tage lang und auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um zu fasten und der Versuchung zu widerstehen. Bemerkenswerterweise kommt das Wort „Quarantäne“ aus dem galloromanischen von „Quaranta“ der Zahl 40.

Interessant ist weiterhin, dass die Heilige Corona (160-177 n. Chr.) die Schutzpatronin gegen Seuchen ist. Darüber hinaus ist sie außerdem die Patronin der Schatzgräber. 

Auch wenn man dies als bloßen Zufall abtun würde, könnte es dennoch ein sinnvolles Anliegen sein, jetzt durch ein inneres Retreat und Besinnung, die Schätze im eigenen Innern zu heben, statt immer nur im Außen zu suchen - wie dies in den extrovertierten westlichen Gesellschaften anstelle der östlichen Traditionen mit ihrem Schwerpunkt auf meditativen Praktiken üblich ist.

Konfrontation mit der Sterblichkeit und Verletzlichkeit

Die Corona-Pandemie konfrontiert uns derzeit nicht nur mit unserer eigenen Sterblichkeit und Verletzlichkeit. Jetzt erleben wir unsere Begrenztheit darin, das Sterben aufzuhalten oder Leben beliebig verlängern zu können. Statt unsere Sterblichkeit zu verdrängen zwingt uns die Corona-Krise nun dazu, uns mit unserer eigenen Endlichkeit zu befassen und die damit verbundenen Gefühle wahrzunehmen. Hier eröffnen sich Chancen für eine Erneuerung einer menschlichen Sterbe- und Trauerkultur, in der Tod und Sterben nicht einfach weggeschoben werden, sondern das damit verbundene Leid durchlebt und geteilt wird und somit auch mehr Mitgefühl und Reifung möglich wird. 

Vom narzisstischen Anthropozentrismus zum Ökozentrismus:

Auch die gesamte Menschheit bekommt drastisch vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind. Das sogenannte Anthropozän (Zeitalter des Menschen) hat zu einem Weltbild geführt, in dem wir an Machbarkeit, Erfolg, Geld und – durch Lebensverlängerung – potentiell sogar an baldige Unsterblichkeit (vgl. Yuval Noah Harari/Homo Deus) glauben. 

Wir kreisen um uns selbst, halten uns für die Krone der Schöpfung und beuten die Ressourcen unseres Planeten rücksichtslos aus, ohne an die Zukunft zu denken. Jetzt erleben wir, dass bereits ein winziger Virus, die gesamte Menschheit weitgehend lahmlegen kann. 

Was geschähe, wenn dieser Virus hundert oder tausendmal tödlicher wäre?

Durch diese Konfrontation mit unseren eigenen Grenzen und unserer Endlichkeit eröffnet sich für uns die Chance, dass wir unseren Anthropozentrismus erkennen und in das ökologische Zeitalter aufbrechen können. 

Meines Erachtens geht es für die Menschheit jetzt darum, wegzukommen von dieser anthropozentrischen Haltung, bei der der Mensch völlig losgelöst und unverbunden um sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse kreist und dabei die Erde als grenzenlos verfügbares Ressourcenlager betrachtet. Dies mit dem Ziel zu einem Ökozentrismus zu finden, in dem die Erde das Zentrum des Lebens bildet, in dem wir unsere Teilhabe und Verbundenheit mit der gesamten Ökosphäre wieder fühlen und erkennen, und dazu beitragen, das Leben auf diesem lebendigen Planeten zu mehren, zu pflegen und ihm zu dienen.

 

Coronavirus und ökologisches Bewusstsein

Coronavirus und ökologisches Bewusstsein

  • von Massentierhaltung zu ethisch verantwortungsvollem Umgang mit Tieren
  • von Feinstaub und Luftverschmutzung zu grünen Technologien und Mobilität
  • von globaler Abhängigkeit zu Bioregionalismus (Beispiele: Landwirtschaft und Medikamente)

Der Corona-Virus hat sich höchstwahrscheinlich durch einen Fischmarkt in Wuhan verbreitet, auf dem illegal Wildtiere gehandelt und auf engstem Raum in Käfigen gehalten wurden. Diese Praktiken führen zu einer wechselseitigen Verbreitung von Viren durch Kot, Blut und direkten Kontakt unter artfremden Tieren. Wie schon in früheren Fällen springen Erreger dann auf Menschen über. Weitere Infos hierzu https://blog.wwf.de/corona-virus-tiere/   

Hier wird deutlich, dass weltweit ein ethisch verantwortlicher Umgang mit Tieren dringend gefordert ist. 

Ebenfalls muss die Massentierhaltung und der dort exzessive Einsatz von Antibiotika gestoppt werden, der als Nebenwirkung zu einem vermehrten Auftreten Antibiotika-resistenter Keime führt. In Folge dessen sind Antibiotika in der Behandlung von Krankheiten beim Menschen immer weniger wirksam. Mittlerweile sterben nach einer 2018 durchgeführten Studie der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC jährlich etwa 33.000 Menschen in Europa durch multiresistente Keime. Es ist anzunehmen, dass die massenhaften Antibiotikagaben in der Massentierhaltung einen wesentlichen Anteil hieran haben.

 

In chinesischen Städten ist die Luftverschmutzung seit der Corona-Krise deutlich zurückgegangen, wie NASA-Luftaufnahmen zeigen. 

Berücksichtigt man die Tatsache, dass weltweit jährlich 4,5 Millionen Menschen (!) durch die Luftverschmutzung sterben (https://www.nau.ch/news/europa/studie-weltweit-45-millionen-vorzeitige-todesfalle-durch-luftverschmutzung-65661208) erscheint der Gedankengang des Umweltwissenschaftlers Daniel Christian Wahl hierzu plausibel: „Schon jetzt könnte die Anzahl der allein in China geretteten Leben durch den Rückgang der Luftverschmutzung höher sein als die tragischen und katastrophalen Verluste an Menschenleben, die die Viruspandemie verursacht und weiterhin fordern wird.“( vgl. https://pioneersofchange-summit.org/slp/daniel-christian-wahl/ )

Hierin zeigt sich eine Chance, ökologisch genauer zu hinterfragen, wie viel Flug- und Autoverkehr wirklich nötig ist und ob nicht zumindest ein Teil davon durch ÖPNV, Skype-Konferenzen und Ökotechnologien ersetzt werden kann.

Ruf der Erde – Über indigene Weisheit, Animismus und die Gaia-Theorie

(für Teile dieses Beitrages greife ich zurück auf mein im Mai 2020 erscheinendes Buch: Pachamama – Über die Liebe zwischen Natur und Mensch. Beginnen wir diese Reflektion mit einem Lied meiner Frau Katharina anlässlich der Coronakrise:

 

Lied: Ruf der Erde – Katharina Bossinger am 21.03.2020

Auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=cDtbABUxhMQ

 

Es ist an der Zeit, dass wir Menschen uns jetzt besinnen, von vorn beginnen.

Es ist an der Zeit, dass wir Menschen uns jetzt besinnen, von vorn beginnen.

Hört doch alle her, hört doch alle her auf den Ruf der Erde.

Hört doch alle her, hört doch alle her auf den Ruf der Erde.

 

Alle sind betroffen, alle Herzen jetzt offen.

Kommt, lasst uns leben, nach vorne streben.

Wir sind Teil der Natur, auf der Liebesspur.

Nur so kanns gehen, wenn wir verstehen:

Das ist jetzt die Chance, außerhalb der Balance,

zurückzukehrn, auf die Botschaft zu hörn.

Das ist jetzt die Chance, außerhalb der Balance,

zurückzukehrn, auf die Botschaft zu hörn.

 

Tränen wir vergießen, und -wir beschließen:

Es muss sich ändern, in allen Ländern.

Nur die Liebe als Währung, das ist eine Ehrung

Aller Geschöpfe und allen Lebens.

Denn das was wir tun, lässt dann die Herzen ruhn

Und vertraun auf neuen Raum.

Denn das was wir tun, lässt dann die Herzen ruhn

Und vertraun auf neuen Raum.

 

Kann die Erde uns wirklich rufen? Ist der Virus gar ein Bote, den Mutter Erde uns geschickt hat, damit wir Vernunft annehmen und uns endlich um unseren Planeten kümmern?

Manche kritisch oder materialistisch-orientierte Leser halten solche Gedankengänge möglicherweise für esoterischen Schwachsinn. Wie denken hingegen indigene Kulturen über diese Dinge?

„Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes.“ sagte Häuptling Seattle bereits 1855 in seiner Rede vor dem Kongress der USA und erläuterte weiter: „Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde“ (http://www.humanistische-aktion.de/seattle.htm ).

 

In indigenen Kulturen wird die Erde als Pachamama (Mutter Welt) verehrt und als göttliche, bewusste Wesenheit betrachtet. In der animistischen Sichtweise ist die gesamte Natur, die Pflanzen und Tiere, Steine, Quellen und Berge heilig, lebendig und beseelt und selbst Steine, die ja für westliche, ‘aufgeklärte’ Menschen als ‘tot’ gelten, werden als die Ältesten, als Hüter der ältesten Erinnerungen und der Weisheit gesehen. 

 

So erläutert Galsan Tschinag, Stammesoberhaupt und Schamane im Nomadenvolk der Tuwiner/Mongolei, aber ebenso Akademiker und Schriftsteller, in einem Interview durch Geseko von Lübke:

„Der Stein ist ein Geheimnis. Das ist der schweigende, eingefrorene Gesang. Schweigende Bilder. Und wenn man die Fähigkeit besitzt, Dinge beleben zu können, dann erzählen sie [...] Für mich ist der Stein ein Gefährte, der redet. Und eigentlich ist jeder Mensch in der Lage, mit dem Stein zu reden oder den Stein zum Reden zu bringen. Nur hat nicht jeder Mensch eine Lebensphilosophie, die das erlaubt.“ (Altes Wissen für eine neue Zeit: Gespräche mit Heilern und Schamanen des 21. Jahrhunderts, Kösel; 2008, S. 108-109)

 

Neben meinem wissenschaftlichen Interesse beschäftige ich mich selbst ebenfalls mit Naturmystik und Schamanismus. In einer meiner schamanischen Weiterbildungen lernte ich das Sioux-Steinorakel kennen und experimentiere seit dieser Zeit damit, mit einem etwa zwei Meter großen, markanten Felsen in der Nähe meines Wohnhauses zu sprechen, indem ich dem Felsen für mich wichtige Fragen stelle und auf seine Antworten lausche. 

Am 18.03.2020 stellte ich meinem Felsen die Frage: „Was bedeutet die Corona-Krise für die Menschheit?“ und bekam folgende Antwort: „Es geht darum innezuhalten und zu realisieren, dass die Menschheit nicht die „Krone der Schöpfung“ ist. Ihr seid ein Teil des planetaren Ökosystems. Der Virus führt euch eure eigene Verletzlichkeit und eure Abhängigkeit vom Ganzen vor Augen. Findet euren angemessenen Platz in Harmonie mit dem lebendigen Planeten.“

 

Manchen erscheinen solche Praktiken – mit Felsen zu sprechen als abstrus – ebenso wie die Sichtweise, dass unser Planet lebendig sein sollte oder über Bewusstsein verfüge. Schließlich lebt unsere Mainstream-Gesellschaft in einem materialistischen Weltbild.

 

Der grönländische Kalaalit-Schamane Angaangaq Angakkorsuaq hingegen antwortete mir in einem persönlichen Interview für mein Buch Pachamama – Über die Liebe zwischen Natur und Mensch: „When you talk to Mother Earth, she speaks back“

Für ihn ist völlig klar, dass die Erde ein bewusstes Wesen ist und wir haben seiner Meinung nach nur die Fähigkeit verloren mit ihr zu sprechen. Angaangaq ist Hauptredner auf internationalen Konferenzen und Symposien zu den Themen Klima und Umwelt und war viele Jahre als Vertreter der Ältesten der Indigenen bei den Vereinten Nationen tätig.  

 

Betrachten wir weiter, wie der Philosoph, Biologe und Schriftsteller Andreas Weber das indigene Weltbild sieht, das er in seinem Buch Indigenialität (Nicolai-Verlag, S.9) erläutert: 

„Die Indigenen haben eine Welt der Nicht-Trennung immer schon gedacht und immer schon gelebt. Sie haben diese auf eine Weise gestaltet, die ihnen über Jahrmillionen das ökologische Überleben gesichert hat. Anders als die moderne Zivilisation, der es in den letzten hundert Jahren gelungen ist, die eigenen Lebensgrundlagen so zu minimieren, dass sie sich in einer galoppierenden Klimaerwärmung gefangen sieht und einen planetarischen Artenschwund losgetreten hat.“ 

 

Wir leben also in einer Seperation von der Natur, wie auch der Umweltaktivist, Mathematiker und Philosoph Charles Eisenstein es in seinem lesenswerten Buch Klima. Eine neue Perspektive, (Europa-Verlag) darlegt. Eisenstein lädt ebenfalls zu einem Bewusstseinswandel ein, der dazu führt, dass wir unsere Erde wieder als einen lebendigen, organismischen Planeten wahrnehmen können, wie dies die indigenen Kulturen immer schon taten. Dieses Bewusstsein haben wir im Laufe unserer Geschichte zunehmend verloren. 

Dieses Bewusstsein beinhaltet das Verstehen, dass die Erde kein toter Planet oder ein Ressourcenlager, sondern ein lebendiger Organismus ist. Die Wälder, Flüsse, Feuchtgebiete, Grasland oder Korallenriffe sind gleichsam dessen Organe und die Gesundheit und Resilienz der Erde hängt wesentlich von der Gesundheit und dem Funktionieren ihrer Organe ab. 

Eisenstein knüpft damit an die von dem Chemiker, Biophysiker und Mediziner James Lovelock zusammen mit der Mikrobiologin Lynn Margulis begründete Gaia-Theorie an.

Die Gaia-Theorie betrachtet die Erde als einen sich selbst regulierenden Superorganismus. Die Erde mutiert in dieser Sichtweise von der Sicht der „toten Maschine“, des mechanistischen Weltbildes zu einem „lebendigen Planeten“, einem komplexen, sich selbstregulierenden System, in welchem das Leben eine wichtige und aktive Rolle bei der Steuerung und Stabilisierung optimaler Lebensbedingungen spielt. 

Diese wissenschaftliche Betrachtung der Erde ähnelt in bemerkenswerter Weise der uralten, organischen Sichtweise der indigenen Urvölker, die schon immer davon überzeugt waren, dass die Erde ein lebendiges und intelligentes Lebewesen ist, das sich selbst und alles Leben aufrecht erhält.

 

Der Corona-Virus führt uns jetzt vor Augen, dass wir in der Lage sind in kürzester Zeit auf Flüge und Mobilität zu verzichten, Luftverschmutzung zu beenden und dass wir Verbote und Regeln einhalten und umsetzen können, wenn es um unser Leben und um unsere Sicherheit geht. Damit zeigen wir eine Fähigkeit als gesamte Menschheit, die erforderlich ist um die globale Klimakrise bewältigen zu können. 

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass schon jetzt jährlich mehr als 600.000 Kinder an Lungenerkrankungen sterben, die durch verschmutze Luft ausgelöst wurden, wie die Weltgesundheitsorganisation 2018 aufzeigte (https://www.solarify.eu/2018/10/30/640-hunderttausende-tote-kinder-durch-schlechte-luft/) erscheint es nahezu unverständlich, dass wir bei dem Corona-Virus alles mobilisieren, aber die Augen vor den zahlreichen Opfern und Schäden durch die Klimakrise verschließen.  

Vielleicht ist dies jetzt endlich die große Chance – global umzusteuern und aufzubrechen in das Ökozoikon – das ökologische Zeitalter, wie der Universalgelehrte und leidenschaftliche Umweltaktivist Prof. Thomas Berry es als gegenwärtige Aufgabe für die Menschheit in seinem Buch Die Autobiographie des Universums (Diederichs) darlegte. 

Vielleicht erweist sich in diesem Sinne der Virus, der aus der Wildnis kam tatsächlich in naher Zukunft als bedeutsamer Katalysator für die wichtige ökologische Transformation unserer Weltgesellschaft. 

Hoffen wir dennoch, dass die Medizin und Wissenschaft bald in der Lage sind die schlimmsten Folgen dieser Pandemie bald durch wirksame Medikamente und Impfstoffe zu verringern.


Wolfgang Bossinger ist Leiter der Akademie für Singen, Natur und Gesundheit, Diplom-Musiktherapeut, Psychotherapie (HPG), Gesangsaktivist, sowie Buch und Filmautor. Er ist Begründer und Ehrenvorsitzender von Singende Krankenhäuser - internationales Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen e.V., Vorstandsmitglied in der "Deutschen Stiftung Singen", Vorstandsmitglied bei Il Canto del Mondo - Internationales Netzwerk zur Förderung der Alltagskultur des Singens e. V.  

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit der letzten Jahre besteht darin, Singen als Mittel zu nutzen, um die Liebe zur Erde zu stärken und für die Erhaltung der Ökosysteme dieses wunderbaren Planeten zu kämpfen. Neben Themen wie Ökologie, Gemeinwohlökonomie, Biophilie und Nachhaltigkeit beschäftigt er sich auch mit Schamanismus und Naturmystik. Er engagiert sich bei BUND - Friends Of The Earth Germany, Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Fördermitglied bei Greenpeace, Singing Planet-Botschafter 

Weitere Info www.healingsongs.de und www.singingformotherearth.de



Aktuelle Veröffentlichungen der Pachamama-Trilogie von W. & K. Bossinger


CD Pachamama - Lieder für Mutter Erde

von Katharina & Wolfgang Bossinger

hier in unserem Shop erhältlich

 

Diese CD ist eine musikalische Liebeserklärung an Mutter Erde. Die Lieder dieser CD sind dazu gedacht, durch Mitsingen oder durch Anhören der Stücke, die Liebe zu unserem wunderbaren Planeten in uns zu entfachen und zu vertiefen. 

Erschaffen wir gemeinsam ein Paradies auf der Erde, in dem die Menschen in Harmonie mit allen Lebewesen und dem gesamten Planeten zusammen das Leben in all seiner Schönheit feiern. Insgesamt 15 Lieder.



Wolfgang Bossinger

Pachamama –Über die Liebe zwischen Natur und Mensch

Eine musikalisch-ökologische Liebeserklärung an die Erde

Erscheint voraussichtlich April 2020

Pachamama ist der indianische Name für Mutter Erde, die in der Sicht der indigenen Kulturen alles Leben umfasst, schenkt, nährt und beschützt. 

Die Menschheit hat sich im Laufe ihrer Geschichte zunehmend von der Verbundenheit mit der Natur und einem wertschätzenden Umgang mit unserem Planeten Erde entfremdet. Dieser Anthropozentrismus hat mittlerweile eine gefährliche ökologische Krise heraufbeschwört. 

Wolfgang Bossinger betrachtet im ersten Band seiner musikalisch- ökologischen Liebeserklärung an die Erde diesen Prozess der Entfremdung, spürt andererseits aber auch der biophilen Verbundenheit mit dem Leben nach und zeigt Wege auf, wie die Liebe zur Erde wieder entfacht werden kann. Anhand zahlreicher Interviews mit Experten aus Ökologie, Landwirtschaft, Biologie, Tierschutz, Ernährung und weiteren Gebieten werden Hintergrundinformationen für einen respektvollen Umgang mit der Erde und ihren wertvollen Ressourcen erläutert. Mit Beiträgen von Ursula & David Segghezzi, Katharina Lameter, Dr. Erwin Thoma, Jörg Blech, Dr. Nico Döring, Renè Schimming, Stefan Schwarzer, Leena Volland, Christian Felber, Prof. Dr. Volker Quaschnig, Prof. Dr. Rolf Verres, Hartmut Pradt, Angaangaq Angakkorsuaq.